Was sind eigentlich MicroSD-Express-Karten? Neues Speicherformat der Switch 2 erklärt

Links die neue MicroSD-Express-Karte von Lexar, rechts eine herkömmliche MicroSD-Karte. (Bild: Lexar)
Lexar MicroSD-Express-Karte kaufen
Das Wichtigste in Kürze
- Mit der SD Express Card kommt ein Kartenformat mit dem Geschwindigkeitsniveau moderner SSDsl
- Nintendo leistet für MicroSD Express Cards die wichtige Vorarbeit.
- Smartphone-Hersteller könnten jetzt schnell auf MicroSD Express umstellen.
- Andere Speicherformate wie Samsungs UFS-Karte oder Huaweis NM Card sind bedeutungslos geworden.
Lexar, Samsung und SanDisk: Sie alle verkaufen von einem auf den nächsten Tag die neuen MicroSD Express Cards mit dem kleinen „EX“ auf der Karte. Doch was sind das eigentlich für Speicherkarten, die zuerst für Nintendos Switch 2 zum Einsatz kommen, sich aber durchaus auch für Handys gut eignen könnten?
Nun, zunächst ist es erst einmal eine schnöde Speicherkarte im MicroSD-Format. Tatsächlich sind MicroSD und MicroSD Express miteinander begrenzt kompatibel. Nintendo ist allerdings hart. In der Switch 2 werden nur die neuen Karten zugelassen. Die alten werden zwar technisch unterstützt, funktionieren aber nur für Screenshots und Videos, die Du etwa auf einer Switch 1 gespeichert hast. Spiele müssen zwingend auf eine MicroSD Express Card.
Eigentlich ist aber eine Grundkompatibilität vorgesehen. MicroSD-Karten sind Nintendo nur einfach für den speziellen Einsatzzweck, nämlich das Laden von Spielen, einfach zu langsam. Also werden sie nicht unterstützt.
Bei Smartphones hingegen – sollten sie dort eingesetzt werden, aber dazu später mehr – ist mit einer Kompatibilität zu rechnen. Alte MicroSD-Karten werden in einem langsameren Modus unterstützt. Das ist kein Problem, da das Groß der verkauften Karten ohnehin eher in die „Kategorie Langsam“ gehört. Steckst Du hingegen eine MicroSD-Express-Karte in den Schacht, wird es plötzlich sehr schnell.
Schnell, schneller, MicroSD Express
Die neuen MicroSD-Express-Karten sind ziemlich schnell. 900 Megabyte pro Sekunde verspricht etwa Lexar für seine neuen Pro-Play-Karten im Lesebetrieb. Selbst MicroSD-Karten im praktisch kaum existierenden UHS-III-Format schaffen maximal 624 Megabyte pro Sekunde – und das nur in der Theorie. Die meisten MicroSD-Karten werden nur mit UHS-I ausgeliefert
Schreibend schafft die Play Pro laut Lexar übrigens 600 Megabyte pro Sekunde. Hier ist also noch Luft nach oben bei der Entwicklung. Das Maximum in beiden Richtungen liegt bei rund 4 Gigabyte pro Sekunde, wie es bei der SD Association 2023 hieß, die sich um den Standard kümmert. Aber: Wir wissen derzeit nicht, welche Version von SD Express in Nintendos Switch 2 steckt. Wir würden derzeit von der ersten Version ausgehen, die rund 2 Gigabyte pro Sekunde im Kartenleser unter Laborbedingungen schafft.
Das sind freilich Maximalwerte für große Dateien, wie etwa Videos oder große Spielewelten. Wenn Du nur kleine Bilder kopierst, verlangsamt sich das prinzipbedingt.
Aber hier kommen wir zum nächsten Problem. Der herkömmliche MicroSD-Kartenleser kann mit der MicroSD Express nur begrenzt etwas anfangen. Sie wird nämlich im langsameren Modus der MicroSD-Karten ausgelesen, genauer UHS-I (im besten Fall). SD Express kennen alte Kartenleser aber nicht.
Im hypothetischen Fall, dass Du etwa eine Fotosammlung Deines Smartphones auf einer MicroSD Express gesichert hast, was dank der hohen Datenraten sehr schnell geht, bekommst Du die Daten aber nicht genauso fix auf Dein Notebook oder Desktop, um sie dort zu verarbeiten. Du brauchst einen neuen Kartenleser, der die neue Express-Geschwindigkeit unterstützt. Ansonsten wartest Du wie bei einem alten Kartenleser recht lange auf die Daten.
Diese Kartenleser sind erstaunlicherweise aktuell Mangelware, während die Karten schon verfügbar sind.
Liegt die Zukunft in der MicroSD-Express-Karte?
Aber wie sieht die Zukunft aus? Nintendos Vorstoß mit der Switch 2 mit dem neuen Kartenformat ist für die SD Association jedenfalls ein Glücksgriff. Von einem auf den anderen Tag ist die SD Express Card wieder ein Thema, wenn auch erst einmal nur in der Micro-Variante. Nintendos Switch 2 dürfte potenziell Millionen Kunden auf das Format aufmerksam machen und nicht wenige werden ihre Switch 2 mit so einer Karte mit mehr Speicher ausstatten.
Die Karten sind zwar nicht günstig, aber mit rund 60 Euro für 256 Gigabyte durchaus bezahlbar. Ideal für einen Massenmarkt. Zugegeben sind Speichervarianten mit 512 GB mit über 100 Euro dann aber doch noch ziemlich teuer.
Davon könnten in Zukunft auch Smartphones profitieren. Rasante Backups wären direkt im Gerät möglich. Eine Fotosammlung mit haufenweise großen 50-Megapixel-Aufnahmen wäre schnell gesichert und aus dem Gerät genommen. Du könntest das sogar automatisieren.
Es stellt sich natürlich noch die Frage, ob die Hersteller so einen MicroSD-Express-Schacht verbauen. Speicherkartenschächte sind nämlich selten geworden. Bei Apple können wir uns das überhaupt nicht vorstellen. Doch das viel auf die Kamera wert legende Xperia 1 VI (Testbericht) von Sony hat beispielsweise einen MicroSD-Schacht. Uns würde natürlich freuen, wenn der Nachfolger dann MicroSD Express unterstützt. Idealerweise allerdings auch mit einer Unterstützung für langsame Karten.
Die Smartphone-Hersteller müssen sich jedenfalls keine Sorgen mehr machen, ein exotisches Format zu unterstützen. Nintendo übernimmt die Hauptarbeit, um das Format zu etablieren. Insbesondere, weil Nintendo keine regulären SD-Karten mehr in der Switch 2 erlaubt. Sie sind Nintendo zu langsam.
Huawei und Samsung wollten UFS und NM Card
Im Speicherbereich gab es übrigens schon vorher Versuche, neue Speicherformate zu etablieren. Doch beide sind de facto gescheitert. Sehr ambitioniert waren die Pläne von Samsung. Bis etwa 2021 konntest Du bei wenige Händlern noch die kleinen UFS-Kärtchen kaufen, die mit bis zu 200 Megabyte pro Sekunde schreiben und 500 Megabyte pro Sekunde lesen konnten. Eines der wichtigsten Geräte war interessanterweise ein High-End-Chromebook von Samsung.
Das UFS-Format ist als Karte, die etwa so groß wie eine MicroSD-Karte ist, mittlerweile offiziell Geschichte. Samsung produziert die Karten nicht mehr. Die Technik lebt aber trotzdem weiter. UFS ist für Speicher, der in Smartphones integriert wird, weiterhin ein wichtiger Standard und wird es auch sicher noch eine Weile bleiben. Der Speicher ist aber immer fest verlötet.
Etwas anders sieht die Situation bei Huaweis NM-Card-Format (Nano Memory Card) aus. Das ist so groß, wie eine Nano-SIM, was eine Doppelnutzung entsprechender Schächte ermöglicht. Die Karten kannst Du tatsächlich noch kaufen, selbst Hersteller wie HP und Lexar finden sich noch im Angebot und Kartenleser gibt es auch noch. UFS-Kartenleser sind hingegen extrem rar und praktisch nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu finden.
Allerdings ist die Nutzung der NM-Card nur noch eingeschränkt möglich. Huawei hat nach unserem Wissen in letzter Zeit keine NM-Card-Smartphones mehr angeboten. In der englischsprachigen Wikipedia gibt es eine Liste kompatibler NM-Card-Geräte.
Die Kärtchen sind auch nicht besonders schnell und werden nur mit einer Datenrate von 90 Megabyte pro Sekunde angeboten. Praktisch wird wohl auch dieses Format über kurz oder lang verschwinden. Es hat sich nicht durchsetzen können, auch wenn Huawei es deutlich intensivere Unterstützung zeigte als Samsung mit seiner UFS Card. Nichtsdestotrotz hat auch Huawei die NM Card aus seinem eigenen Shopsystem mittlerweile entfernt.
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