EU-Kostendeckel bleibt - und weltweit?

Ins Ausland telefonieren: Kostenfalle trotz EU-Roaming

Wenn Du mit dem Handy ins Ausland telefonieren möchtest, gilt ein Kostendeckel: Seit 15.05.2019 gelten Höchstpreise für Anrufe von Deutschland ins EU-Ausland. Trotzdem kann es noch teuer werden. Die Gelegenheit für eine EU-weite Abschaffung der nervigen Extrakosten wurde 2024 leider verpasst.
Ins Ausland telefonieren

Ins Ausland telefonieren: Mittlerweile greift in der EU ein Kostendeckel (Bild: Pixabay @Foundry)

Telefonieren ins Ausland: EU-Kostendeckel bleibt

Eine Zusatzregelung für Telefonate vom Inland ins EU-Ausland gibt es seit rund zwei Jahren nach Einführung des EU-Roamings. Dein Handytarif deckt seither auch Anrufe vom Ausland nach Deutschland sowie umgekehrt von Deutschland ins Ausland ab – vorausgesetzt es handelt sich um Telefonate innerhalb der EU. Ausgenommen sind nach wie vor Kreuzfahrten und Flugreisen. Die Satellitentarife bleiben teuer.

Telefonieren ins EU-Ausland wird somit weniger schnell zur Kostenfalle im Roaming: Statt wie bisher bis zu 1,49 Euro pro Minute werden 19 Cent zzgl. Mehrwertsteuer pro Minute sowie 6 Cent zzgl. Mehrwertsteuer pro SMS fällig, de facto gelten also für Privatkund*innen Höchstpreise von 22,61 Cent pro Minute und 7,14 Cent pro SMS.

Wasmax. Kosten (ohne MwSt.)max. Kosten (inkl. MwSt.)
Telefonate ins EU-Ausland19 Cent22,61 Cent
SMS ins EU-Ausland6 Cent7,14 Cent

Das ist zwar eine Verbesserung zur ehemals sehr undurchsichtigen Situation. Dennoch können sich viele oder längere Telefonate deutlich auf der Handyrechnung bemerkbar machen, auch nach Kostendeckel, nämlich mit über 13 Euro pro Stunde.

Chance zur Angleichung der Telefonkosten verpasst

2024 sollte es Erleichterung geben; die Chance zur Anpassung an den klassischen Roaming-Tarif wurde jedoch verpasst.

Die EU hatte sich vorgenommen, die Telefonkosten fünf Jahre nach Einführung noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Hier wurde nun zugunsten der Netzbetreiber entschieden, wie einige Medien (1) (2) übereinstimmend berichten.

Die Transparenz vonseiten der EU lässt zu wünschen übrig – eine offizielle Meldung in den Presseräumen des Europäischen Parlaments suchen wir vergeblich, müssen uns mit der folgenden AFP-Meldung (via Berliner Zeitung) zufriedengeben:

»Die Unterhändler von Europaparlament und Mitgliedstaaten einigten sich am Dienstag auf eine Verlängerung der bisherigen Preisgrenzen von 19 Cent pro Minute für Anrufe und sechs Cent pro SMS, die im Mai ausgelaufen wären«.

Kosten fürs Telefonieren ins EU-Ausland: Preisobergrenze verlängert

Der erste Entwurf zur Neuregelung für Telefonate ins Ausland wurde bereits 2022 abgeschmettert, eine Neufassung wurde damit für 2024 erwartet (53). Die alten Preisobergrenzen sollten bis 14.5.2024 bestehen bleiben.

»Seit dem 15. Mai 2019 sind die Endkundenpreise (ohne MwSt), die Verbrauchern für die regulierte Intra-EU-Kommunikation berechnet werden können, auf 0,19 EUR pro Minute für Anrufe und auf 0,06 EUR je SMS begrenzt. Mit der Verlängerung der mit dieser Verordnung eingeführten Maßnahmen für das Roaming zu Inlandspreisen, mit denen das Risiko einer Abschreckung von der grenzüberschreitenden Kommunikation eingedämmt und die Schaffung eines Binnenmarkts ermöglicht werden soll, dürfte es angezeigt sein, die Entwicklung des Marktes der Intra-EU-Kommunikation zu untersuchen […] Die Kommission sollte mit Unterstützung des GEREK die Auswirkungen der bestehenden Maßnahmen bewerten, die mit der Verordnung (EU) 2018/1971 des Europäischen Parlaments und des Rates(19) eingeführt wurden, und feststellen, ob und inwieweit zum Schutz der Verbraucher weiterhin eine Senkung der Obergrenzen erforderlich ist. Diese Bewertung sollte mindestens ein Jahr vor dem Auslaufen dieser Maßnahmen am 14. Mai 2024 erfolgen

Nun ist jedoch klar: Die Neubewertung der Maßnahmen fällt aus – der seit 2019 geltende Kostendeckel bleibt bis mindestens 2029 bestehen, die Preisobergrenze wurde verlängert.

Ins Ausland telefonieren: EU-Roaming-Regulierung greift nach wie vor nicht

Der Kostendeckel bedeutet auch: Obwohl Du Zuhause bist, greift das sogenannte Roam-Like-at-Home-Prinzip nicht.

  • Bis 2019 musstest Du mit teils hohen Gebühren von bis zu 1,49 Euro pro Minute rechnen. Auf die Stunde hochgerechnet wurde es mit bis zu knapp 90 Euro regelrecht absurd.
  • Die Verbraucherzentralen haben immer wieder auf diesen Fall aufmerksam gemacht − und für die unerwarteten Zusatzkosten sensibilisiert.

Mit Erfolg, so zeigt sich, denn immerhin gilt seit Mai 2019 ein Kostendeckel, der perspektivisch leider frühestens ab 2029 weiter sinken soll.

Grundsätzlich deckt die EU-Roaming-Regulierung nämlich keine Telefonate vom Heimatland in die EU-Mitgliedstaaten ab. Wer also Familie in Spanien oder Freunde im Italienurlaub anrufen will, muss weitere Kosten auf der Rechnung in Kauf nehmen − ein Fakt, der sich womöglich falsch in die Köpfe der Konsumenten gebrannt hat, seit die EU-Roaming-Verordnung 2017 inkraftgetreten ist.

  • Gut, dass es mittlerweile einen Kostendeckel für Anrufe ins Ausland gibt.
  • Ärgerlich jedoch, dass sich die Netzbetreiber hier durchgesetzt haben – und einer weiteren Anpassung der Gebühren, wie sie ja ursprünglich für 2024 geplant war, eine Absage erteilt wurde.
  • Wer also von Deutschland nach Frankreich, Spanien, Bulgarien und Co. telefonieren möchte, sollte die Kosten auf dem Schirm haben. Frühestens 2029 wird es hier eine Neuregelung geben.

Auslandstelefonate: Schon beim Tarifwechsel auf Optionen achten

Telefonierst Du gelegentlich ins EU-Ausland? Dann solltest Du schon bei Vertragsschluss darauf achten, ob Dein Wunsch-Provider entsprechende Optionen anbietet oder ob Du auf Basis des entsprechenden Kostendeckels telefonierst. Oft sind entsprechende Pakete zubuchbar – etwa bei den Netzbetreibern.

Wer oft ins Ausland telefoniert, sollte definitiv über ein solches Paket nachdenken. Eine Stunde bei einem Minutenpreis von 22 Cent (laut Kostendeckel) würde bereits einen Betrag von über 13 Euro auf der Handyrechnung bedeuten.  Stefanie - Tarif-Expertin
Profilbild Redakteur
  • Bei der Telekom kostet das Paket mit 300 Frei-Minuten in die EU 9,95 Euro.
  • Zum Basispreis von 22 Cent die Minuten würdest Du auf 66 Euro für 300 Minuten kommen.
  • 30 Minuten ins EU-Ausland kosten 1,95 Euro.
  • Die Pässe sind monatlich kündbar.

Telekom EU Minutenpreise und Zubuchpakete

Telefonate per WhatsApp als Roaming-Alternative – auch außerhalb der EU

Zusatzkosten umgehst Du nach wie vor, wenn Du auf Video-Telefonie bzw. auf Telefonate über Messenger wie WhatsApp oder Threema zurückgreifst. Von Deutschland aus ins Ausland kein Problem.

Doch aufgepasst: Solltest Du vom Ausland aus via Messenger telefonieren, dann achte auf Deinen Datenverbrauch oder nutze WLAN-Netze (hier gilt natürlich: Sicherheit geht vor, offene WLAN-Netzwerke können ein Sicherheitsrisiko sein).

  • Anrufe via Internet sind auch ins Ausland kostenlos.
  • Du kannst dementsprechend vollkommen gratis telefonieren, Kosten für mobile Daten nicht berücksichtigt.
  • Das funktioniert zum Beispiel über WhatsApp, Threema, Facetime, oder Discord.

Voraussetzung ist, dass der gewünschte Gesprächspartner die gleiche App nutzt − per Handy, Tablet oder am Computer. Außerdem muss eine stabile und ausreichend schnelle Internetverbindung vorliegen − vor allem, wenn Du auf Video-Telefonate setzt.

Befindest Du Dich im Ausland (v.a. außerhalb der EU), solltest Du unbedingt prüfen, ob Du Dich mit mobilen Daten einloggst – und dementsprechend hohe Kosten anfallen können.

Drillisch Roaming-Sperre

Bei einigen Anbietern, wie etwa den Drillisch-Marken winSIM, sim.de, handyvertrag.de u.a., ist die SIM-Karte in den ersten 7 Wochen nach Vertragsstart für eine Auslandsnutzung gesperrt.

Diese Sperre kannst Du jederzeit selbst über Deine persönliche Servicewelt freischalten:

„Vertrag“ ➞ „Tarifoptionen“ ➞ „Sperr-Dienste“ ➞ „Sperre der Nutzung im Ausland“

Billig ins Ausland telefonieren: Call-by-Call und Callthrough

Per App, Internet oder Sparvorwahl: Neben den Minuten-Paketen der Provider gibt es einige weitere Möglichkeiten, die Telefonkosten für Anrufe ins Ausland zu senken.

Vom Festnetz günstig ins Ausland telefonieren via Call-by-Call

Call-by-Call ist eine verbreitete Möglichkeit, die Kosten für Anrufe ins Ausland möglichst gering zu halten. Zumindest, wenn Du einen Festnetzanschluss der Telekom nutzt.

Vor der eigentlichen Zielrufnummer im Ausland wählst Du eine sogenannte Verbindungsnetzbetreiberkennzahl bzw. Call-by-Call-Nummer. Abgerechnet wird dann nicht nach dem Tarif des Providers, sondern nach dem Sondertarif des Fremdanbieters.

Call-by-Call ist noch aus Zeiten bekannt, als es keine günstige Festnetz-Allnet-Flatrate gab. Damals wurde gerne die sogenannte Sparvorwahl für Inlandsanrufe genutzt.

Nach Preissprüngen: Preisansage für Call-by-Call-Dienste

Call-by-Call ist durch plötzliche drastische Gebührenerhöhungen in die Kritik geraten. Mittlerweile ist eine Preisansage verpflichtend, sodass Du selbst beurteilen kannst, zu welchem Minutenpreis der Call-by-Call-Tarif abgerechnet wird − und ob’s tatsächlich günstiger wird.

Mit dem Handy ins Ausland telefonieren: Per Callthrough

Fürs Handy gibt es das Callthrough-Prinzip, das ähnlich aufgebaut ist, jedoch weniger Einsparmöglichkeiten bietet. So ist zum Beispiel bereits die Verbindung zum Gesprächspartner kostenpflichtig − auch dann, wenn niemand abnimmt.

Beim Callthrough wählst Du erst die Telefonnummer des Callthrough-Anbieters. Dieser verbindet Dich dann nach der Eingabe der Zielrufnummer mit dem gewünschten Gesprächspartner.

FAQ zum Thema Telefonieren ins Ausland

☎️ Sind Telefonate in die EU vom Roaming abgedeckt?

Nein, Telefonate in die EU sind nicht vom regulierten EU-Roaming abgedeckt. Die EU hat zu diesem Zweck einen Kostendeckel zwei Jahre nach Inkrafttreten der Roaming-Verordnung eingeführt. Dieser gilt bis mindestens 2029.

💸 Was ist der EU-Kostendeckel für Anrufe ins Ausland?

Der EU-Kostendeckel für Anrufe ins Ausland legt eine Preisgrenze von 19 Cent pro Minute für Anrufe von Deutschland ins Ausland bzw. zwischen den EU-Staaten fest. Mit Mehrwertsteuer gilt de facto eine Gebühr von 22,61 Cent pro Minute. SMS dürfen maximal 7,14 Cent kosten. Der Kostendeckel wurde vorerst auf fünf Jahre befristet und im Februar 2024 um weitere fünf Jahre bis 2029 verlängert.

🤷‍♀️ Sollte die Kosten für Telefonate in die EU nicht 2024 sinken?

Eigentlich wurde ein Sinken des Kostendeckels für Telefonate innerhalb der EU für 2024 erwartet. Die Netzbetreiber haben sich nun jedoch durchgesetzt: Es bleibt beim bisherigen Kostendeckel, Telefonate kosten 19 Cent die Minute plus Mehrwertsteuer.

📱 Gibt es eine Preisgrenze für Telefonate außerhalb der EU?

Die Preisgrenze gilt nur innerhalb der EU. Weltweit können je nach Zielland hohe Kosten pro Minute anfallen. Außerhalb der EU gilt also keine Preisgrenze.

🤷‍♀️ Wie kann ich beim Telefonieren ins Ausland sparen?

Viele Provider bieten gesonderte Auslandspakete für die weltweite Telefonie an. Daneben lohnt es sich, Messenger wie WhatsApp, Threema oder Discord zu nutzen. Bei der Telefonie übers Internet fallen normalerweise keine Kosten an, abgesehen von Deinem Tarif (Datennutzung). Call-by-Call und Callthrough haben durch die Internettelefonie an Bedeutung verloren. f5242ad373134c919cc7eacf0db8630b
Profilbild von Stefanie
Schon seit 2011 ist Steffi als Redakteurin für verschiedene Online-Magazine und -Blogs unterwegs. Für Technik begeistert sie sich jedoch schon viel länger. Ihr erstes Handy? Ein Nokia 3310. Nach einem iPhone und einem Windows Phone (nein, kein Witz!) begleitet sie mittlerweile ein Android-Smartphone durchs mobile Leben.

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