1&1 5G Netz im Aufbau: Aktuelle Informationen rund um das vierte Mobilfunknetz in Deutschland

(Bild: 1&1; Montage: handyhase.de)
1&1 mit eigenem 5G-Netz
Hier nochmal die wichtigsten Eckdaten aus der Pressemitteilung zum Start des 1&1-5G5Netzes:
Ab dem 8. Dezember 2023 kann das 1&1 5G-Netz auch mit Smartphones genutzt werden. Dann ist das Netz voll funktionsfähig.
Überall dort, wo das im Aufbau befindliche 5G-Netz noch über keine eigene Abdeckung verfügt, steht 1&1 Kunden im Rahmen eines um 5G erweiterten Nationalen Roaming automatisch das 2G/4G/5G-Netz von Telefónica Deutschland zur Verfügung. Ab Sommer 2024 wird 1&1 Nationales Roaming planmäßig von Vodafone nutzen und Vorleistungen von Telefónica Deutschland schrittweise verringern.
Das 1&1 5G Netz ist nach langer Ankündigungsphase endlich da: Am 08.12.2023 ist das vierte Mobilfunknetz in Deutschland gestartet. Drillisch-Tarife wechseln damit ins 1&1-5G-Netz.
Zur Unterstützung kommt National Roaming zum Einsatz. Seit 29.08.2024 ist das Vodafone-Netz (statt zuvor o2) die Fallback-Lösung.
Update vom 27.04.2023: 1&1 hat bereits im Februar Beschwerde beim Kartellamt gegen Vodafone eingelegt. Der Vorwurf: Vodafone verhindere den Netzausbau. Jetzt hat sich die Bundesnetzagentur eingeschaltet und ein Bußgeld aufgrund der fehlenden Funkmasten verhängt. Alles dazu in den verlinkten Beiträgen.
Im Dezember hatte 1&1 den kommerziellen Betrieb seines Mobilfunknetzes gestartet. Zum Start gibt es allerdings Festnetzanschlüsse auf der Basis von 5G-Mobilfunk (FWA = Fixed Wireles Access). Bisher wurde das 5G-Mobilfunknetz an drei Standorten (1x in Karlsruhe, 2x in Frankfurt/Main) in Betrieb genommen.
Update vom 24.10.2022: Ein weiterer Schritt im 5G-Ausbau von 1&1 Drillisch ist gemacht: Die Bundesnetzagentur hat einen Zeitplan vorgelegt, wann 1&1 denn nun genau zum Netzbetreiber werden und den Status als Diensteanbieter verlieren soll. Eben wann Du Deinen 1 und 1 Vertrag mit 5G buchen kannst …
Update vom 28.06.2021: Ein neuer Test-Standort von 1&1 wurde bekannt. Ein findiger Mobilfunk-Experte hat ein 5G-Signal gemessen, das auf eine deutliche Verbesserung des bisherigen Testbetriebs hinweist. Mehr dazu im Artikel.
Update vom 15.02.2021: Wie 1&1 Drillisch als auch Telefónica Deutschland mitteilen, hat man sich auf ein Abkommen für National Roaming einigen können. Was dies nun genau bedeutet, erfährst Du im Artikel.
Update vom 25.01.2021: Die Pläne für den Netzausbau nehmen immer konkretere Formen an. Laut dem Handelsblatt (Paywall, via Business Insider) hat man zumindest in den vergangenen Monaten die Netzpläne ausarbeiten, Kooperationen mit Netzausrüstern verhandelt und das eigene Glasfasernetz für 5G-Antennen massiv ausbauen können. Allerdings ist jetzt die Rede davon, dass das eigene 5G-Netz frühestens 2022 in den regulären Betrieb gehen kann. Zumindest will man im Sommer 2021 mit dem konkreten Bau des Netzes beginnen, um die Auflagen der Bundesnetzagentur (BNetzA) erfüllen zu können.
Update vom 20.01.2021: Vorzeichen deuten auf eine engere Zusammenarbeit mit Telefónica hin: Die 1&1-Handytarife im Vodafone-Netz werden online nicht mehr vermarktet.
Update vom 21.10.2020: Bei 1&1 sind die angekündigten 5G-Tarife tatsächlich gestartet. Sie ermöglichen einen sofortigen Zugang zum 5G-Netz von Telefónica/o2. Alle Details findest Du weiter unten im Artikel.
Update vom 03.03.2020: Nutzerberichten auf Twitter zufolge gibt es bereits erste Sender-Standorte für das 5G-Netz von Drillisch. Die Beobachtungen sind von United Internet bestätigt. Allerdings handelt es sich um einen Testbetrieb.
Update vom 19.12.2019: Wie die 1&1 Drillisch AG mitteilt (via onvista), hat der Konzern von Telefónica Deutschland Netzkapazitäten angemietet. Konkret handelt es sich um zwei Frequenzblöcke von jeweils 10 MHz Bandbreite im Spektrum von 2,6 GHz. Der Konzern will damit die Zeit überbrücken, bis die eigenen ersteigerten 5G-Frequenzblöcke im Bereich von 2 GHz frei werden. Diese Frequenzblöcke sind gemäß der Vorgaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) erst ab 2026 für einen Netzausbau nutzbar.
Der Mietvertrag gilt dabei bis Ende 2025. Wichtig ist zu wissen, dass die Vermietung der Netzkapazitäten ein Teil der EU-Auflagen für die Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland ist.
Letzte Störung im 1&1-Netz
- Störung im 1&1 Netz: 27.05. bis 29.05.2024
- Details zu Entschädigung wegen 1&1 Störung
Das eigene 5G-Netz von 1&1 Drillisch: Alle Infos
Als Konzernchef Ralph Dommermuth im Rahmen der Halbjahresbilanz für das Geschäftsjahr 2019 den Start des eigenen 5G-Netzes ankündigte, wurde dafür noch das Jahr 2021 angepeilt, berichtete unter anderem Heise Online. Es sollte Ende 2022 werden: Am 28.12.2022 wurde offiziell nach einer langen Testphase die Vermarktung des 5G-Netzes von 1&1 gestartet, allerdings als Fixed Wireless Access (FWA).
Richtig durchstarten wollte 1&1 ursprünglich Ende September 2023, aber auch dieses Datum wurde nunmehr verschoben, und zwar auf den 08.12.2023.
Solange das im Aufbau befindliche Netz noch nicht mit wesentlicher Netzabdeckung verfügbar ist, kann 1&1 per National Roaming auf das Netz von Vodafone (bis 29.08.2024: Telefónica) zugreifen.
1&1 nutzt OpenRAN im eigenen Netz
Immer mal wieder ist von OpenRAN die Rede, wenn es um das eigene 1&1 Netz geht. Was das genau bedeutet, erklärt 1&1 nochmal genauer:
Herzstück des 1&1-Netzes bildet eine private Cloud in dezentralen Edge-Rechenzentren, die via Glasfaser mit Gigabit-Antennen verbunden sind. Sämtliche Netzfunktionen werden per Software gesteuert, die auf herkömmlichen Servern läuft, wie man sie in jedem Rechenzentrum findet.
Anders als in herkömmlichen Netzarchitekturen, die häufig nur von einem Hersteller bereitgestellt werden, verfügt das 1&1 Open RAN über standardisierte Schnittstellen, über die 1&1 flexibel mit den sichersten und besten Ausrüstern am Markt zusammenarbeitet. So verzichtet 1&1 von Beginn an auf Komponenten chinesischer Hersteller.
Netzausbau von 1&1: Aktueller Stand
Wer sich den Netzausbau von 1&1 im Detail ansehen möchte, kann dies nun auch über die Mobilfunkkarte der Bundesnetzagentur tun.
Wichtig daran: Die Netzkarte der Bundesnetzagentur ist normalerweise nicht auf dem neuesten Stand. Das bedeutet, dass auch der National-Roaming-Wechsel von Telefónica zu Vodafone nicht per sofort berücksichtigt wird. Beachte dies, wenn Du die Netzabdeckung betrachtest.
Bestehende Tarife werden ja ohnehin erst nach und nach ins Vodafone-Netz umgestellt.
- Am 30.08.2024 zeigte die Netzkarte noch die Telefónica als Roaming-Partnerin an.

Mobilfunkkarte der Bundesnetzagentur zeigt nach wie vor die Telefónica als National-Roaming-Partnerin
1&1 mit eigenem 5G Netz: Versorgungsauflagen
Die Bundesnetzagentur stellt den Netzbetreibern bestimmte Versorgungsauflagen für den Ausbau ihrer Netze. Bei Nichterfüllung ist mit Bußgeldverfahren zu rechnen. Für 1&1 gilt
- Bis 2030 sollen 50% aller Haushalte mit dem eigenen 5G-Netz versorgt sein.
- Das bedeutet: Du wirst noch über einen langen Zeitraum hinweg National Roaming mit den Partnern o2 bzw. Vodafone nutzen.
Bislang verlief der Netzausbau schleppend, im Laufe des Jahres 2023 standen weniger als 100 Antennen, bis Ende 2023 sollen rund 1.000 Standorte vorbereitet sein, unabhängig davon, ob die Antennen bereits für die Übertragung von Funkfrequenzen freigeschaltet sind.
- Ab 2024 sollen pro Jahr 3.000 neue Standorte erschlossen werden.
- Insbesondere in Städten soll der Ausbau vorangetrieben werden. In ländlichen Regionen wird das neue Netz vermutlich noch eine Weile auf sich warten lassen.
Warum überhaupt 1&1 Drillisch?
Ist vom 1&1 Netz die Rede, ist damit dann eben auch das Drillisch-Handynetz gemeint. Denn Drillisch gehört mit Marken wie winSIM, sim.de oder handyvertrag.de zu 1&1 bzw. zur United Internet.
Wer also einen günstigen Drillisch-Tarif abschließt, landet seit Dezember 2023 im 1&1-Netz, unterstützt durch National Roaming (o2, Vodafone).
1&1 5G Netz: Streitigkeiten, Beschuldigungen und verzögerter Netzausbau
Schaust Du auf den bisherigen Ausbau mit 1&1 Funkmasten, wird schnell klar, wie sehr 1&1 bezüglich seiner Ausbauziele hinterherhinkt: Von den zu installierenden 1.000 Mobilfunkmasten standen Anfang 2023 gerade einmal fünf, auch im Laufe des Jahres 2023 gab es ein ziemliches Chaos in Sachen Ausbau. Umso verwunderlicher, dass 1&1 dann im Dezember endlich startbereit war.
1&1 war sich jedoch keiner Schuld bewusst und legte im Februar 2023 Beschwerde beim Kartellamt gegen Vodafone wegen Verzögerung beim Netzausbau ein. Der Vorwurf lautete: Vodafone verhindere den 1&1 Netzausbau durch Vantage Towers. Die für den Ausbau der Mobilfunkmasten zuständige Vantage Towers AG hatte die vereinbarten Ausbauziele nicht eingehalten.
- Hauptaktionärin der Vantage AG ist die Vodafone Gruppe.
- Vodafone wiederum ließ bis Ende 2022 ganze 1.600 Antennen durch Vantage Towers in Stellung bringen.
Im April 2023 zog dann die Bundesnetzagentur Konsequenzen und verhängte ein Bußgeldverfahren gegen 1&1 wegen verzögertem Netzausbau.
Das Ganze hatte weitere Verzögerungen zur Folge, sodass der für Herbst 2023 angekündigte Startschuss für die erste mobile Nutzung des 1&1-Handynetzes tatsächlich ausfiel.
Einem Bericht der Wirtschaftswoche ist zu entnehmen, dass im Herbst 2023 rund 40 Antennen stehen, die Betonfundamente von rund 500 Antennen sind wenigstens in Stellung gebracht.
Erste Standorte: Sichtungen wurden gemeldet von den United-Internet-Standorten in Karlsruhe und Montabaur. In Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Freiburg und Solingen soll es mittlerweile (Stand: September 2023) weitere Antennen geben.

Der mutmaßliche 5G-Sender am Standort Karlsruhe (noch ohne Betrieb). Mit freundlicher Genehmigung von @xeoniki200
5G-Tarife vorerst im Telefónica-Netz
Im Juli 2023 schaltete 1&1 den 5G-Zugang in allen Allnet-Flatrate-Tarifen frei, allerdings eben alles noch stark eingeschränkt als eine Art mobiler Hotspot oder Festnetz-Ersatz. Im Dezember 2023 startet das eigene 1&1-Netz dann vollständig und für alle Smartphones mit 5G. Hier verschaffst Du Dir einen Überblick über aktuelle Tarife:
- 1&1 All-Net-Flat Young L (Aktion) mit 150 GB 5G für 0,00 € + ab 9,99 € Grundgebühr
- 1&1 All-Net-Flat Young M (Aktion) mit 75 GB 5G für 0,00 € + ab 9,99 € Grundgebühr
- 1&1 All-Net-Flat Young S (Aktion) mit 25 GB 5G für 0,00 € + ab 9,99 € Grundgebühr
- 1&1 All-Net-Flat L (Aktion) mit 120 GB 5G für 0,00 € + ab 9,99 € Grundgebühr
- 1&1 All-Net-Flat M (Aktion) mit 60 GB 5G für 0,00 € + ab 9,99 € Grundgebühr
Welche Probleme kann es für 1&1 beim 5G-Ausbau geben?
Ob das Ziel zu schaffen ist für 1&1 Drillisch, hängt nicht nur von Kooperationsverträgen mit den Netzwerkausrüstern ab, sondern auch davon, ob Gemeinden überhaupt das Aufstellen neuer Funkmasten genehmigen.
Nicht zuletzt sieht sich z.B. auch die Deutsche Telekom immer öfters in der Zwickmühle, dass man zwar das Netz deutlich ausbauen und damit „verbliebene weiße Flecken“ schließen oder das Netz an sich besser machen will, aber Gemeinden als Besitzer öffentlicher Gebäude und/oder Grundstücke das Aufstellen der nötigen Funkmasten mitten im Gemeindegebiet verweigern.
Ein zunehmendes Problem, dem auch 1&1 Drillisch bei seinen 5G-Plänen gegenüber stehen dürfte.
Schwieriger Start mit gewissem Restrisiko
Damit 1&1 Drillisch sein eigenes Netz erfolgreich starten kann, bedarf es jedoch neben dem Aufstellen von eigenen Funkmasten noch einer anderen Lösung. Damit ein flächenmäßig nutzbares Netz zustande kommt, ist 1&1 Drillisch zwingend auf National Roaming in anderen Netzen angewiesen. Neben Telefónica Deutschland mit seiner Kernmarke o2 stehen auch die Telekom und Vodafone auf der Liste der Verhandlungspartner.
„Mein Bauchgefühl ist, dass wir National Roaming angeboten bekommen, auch von Vodafone oder von der Telekom – die Frage ist aber natürlich zu welchen Konditionen“, sagte Dommermuth zu dem Thema bereits im Jahr 2019. Die Bundesnetzagentur jedenfalls hat die Frequenzlizenzen für 5G mit der Auflage des diskriminierungsfreien Zugangs weiterer Anbieter verknüpft. Und lag damit gar nicht falsch. Denn zukünftig wird 1&1 mit Vodafone als Roaming-Partner koopieren, auch wenn 1&1 bis Ende Juni 2025 vertraglich noch an o2 gebunden ist.
Genau darin sieht auch Dommermuth die Notwendigkeit, um erfolgreich ein viertes Mobilfunknetz in Deutschland starten zu können. Zumindest zu Beginn, solange das eigene Netz noch erhebliche „weiße Flecken“ aufweisen wird.
National Roaming Partnerschaft mit o2 und Vodafone
Neuester Partner für die 1&1 Mobilfunk GmbH im Zuge von National Roaming ist die Vodafone GmbH. Beide Mobilfunkanbieter schlossen im August 2023 einen verbindlichen Vorvertrag für eine langfristige, exklusive National Roaming Partnerschaft. Die National Roaming Leistungen von Vodafone sollen nach Abschluss der vorherigen National Roaming Kooperation (mit der Telefónica Deutschland) starten und eine Grundlaufzeit von 5 Jahren beinhalten.
1&1 äußert sich in einer Pressemitteilung vom 2. August 2023 folgendermaßen:
Ab dem plangemäßen Start des 1&1 Mobilfunknetzes auf Basis der neuartigen OpenRAN-Technologie Ende nächsten Monats werden auf dem Netz von 1&1 Kunden mit 4G Mobilfunktarifen zunächst mit flächendeckenden National Roaming Leistungen von Telefónica versorgt, bis die National Roaming Versorgung durch Vodafone bereit steht. Ab dann können auf dem 1&1 Netz auch 5G Mobilfunktarife flächendeckend angeboten werden. In der Übergangszeit bis zur Bereitstellung des 5G National Roaming durch Vodafone wird 1&1 seinen Kunden mobile 5G-Dienste im Rahmen des bisherigen MVNO-Modells bereitstellen
und weiter
Sobald alle 1&1 Kunden für National Roaming Leistungen durch Vodafone aktiviert wurden, wird 1&1 Mobilfunk für die Dauer der Vertragslaufzeit National Roaming Leistungen exklusiv von Vodafone beziehen.
Zuvor hatte 1&1 mit der Telefónica zwecks National Roaming kooperiert.
National Roaming ab Dezember 2023 auch im o2-5G-Netz
Diese Kooperation wurde überraschend auch auf 5G erweitert, wie im November 2023 bekannt wurde. Die National-Roaming-Regelung im o2-Netz soll somit auch zum Start des 1&1-5G-Netzes im Dezember 2023 bestehen bleiben. Ab Sommer 2024 soll dann die Kooperation mit Vodafone greifen und National Roaming mit der Telefónica Schritt für Schritt zurückgefahren werden.
Zur alten National-Roaming-Regelung findest Du weitere Informationen im ausgeblendeten Abschnitt.
Einigung zu National Roaming mit o2 erzielt
Mitte Februar 2021 hatte 1&1 erst eine Einigung über National Roaming mit o2 erzielt: Das Angebot von Telefónica Deutschland gilt dabei zunächst rückwirkend ab dem 1. Juli 2020 und kann zweimal verlängert werden. Die erste Möglichkeit zur Verlängerung des NRA-Abkommens ist für Mitte 2029 terminiert, und kann anschließend noch einmal zusätzlich um weitere fünf Jahre verlängert werden.
Konkret wird der bereits bestehende MBA-MVNO-Vertrag (Mobile Bitstream Access – Mobile Virtual Network Operator) in ein National Roaming Agreement (NRA) umgewandelt. Dies ist unter anderem ein Teil der Auflagen, welche die EU zur Bedingung der Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland damals 2014 gemacht hatte.
Übrigens gilt das National Roaming für das 1&1 Drillisch eigene Netz ausschließlich für das 2G-/3G-/4G-Netz von Telefónica Deutschland. Auf das 5G-Netz von Telefónica Deutschland kann 1&1 Drillisch nur im Rahmen von MBA-MNVO-basierenden Tarifangeboten zugreifen. Beide Dienste, MBA-MNVO und National Roaming, laufen für einen definierten Zeitraum parallel, bis 1&1 Drillisch ein eigenes 5G-Netz aufgebaut und Bestandskunden auf die eigenen 5G-Tarife umgestellt hat.
Konkret geht es bei der Anmietung von Netzkapazitäten bei o2 um zwei Frequenzblöcke mit jeweils 10 MHz Bandbreite im 2,6-GHz-Band. Natürlich gibt Telefónica Deutschland diese nicht ohne Grund ab: Die Vermietung ist Bestandteil der EU-Auflagen zur Übernahme von E-Plus aus dem Jahr 2014.
Der CEO von 1&1 Drillisch, Ralph Dommermuth, kommentiert die Anmietung folgendermaßen: „Die nun getroffene Vereinbarung ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Aufbau unseres 5G-Netzes. Mit dem von Telefónica angemieteten Spektrum überbrücken wir den Zeitraum, bis unsere eigenen Frequenzblöcke im Bereich 2 GHz nutzbar sind.“
Bis wann gilt der Mietvertrag für die Netzkapazitäten?
Der Mietvertrag gilt dabei vorerst nur bis Ende 2025 und hat die Zustimmung der BNetzA erhalten – was als reine Formsache galt. Langfristig will 1&1 dann auf Vodafone als Kooperationspartner setzen.
Hintergrund ist, dass die von 1&1 Drillisch ersteigerten Frequenzblöcke im 2-GHz-Bereich erst ab dem 01.01.2026 von der BNetzA freigegeben werden. 1&1 Drillisch kann durch diese Aktion daher schon eher mit einem mehr oder weniger eigenen 5G-Netz starten. Zumindest lassen sich so die eigenen Pläne einhalten, ab 2021 2022 Ende 2023 mit einem eigenen Netz zu starten.
Streitpunkt Kosten für National Roaming
Bisher scheiterte das Vorhaben vor allem an den unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich der Kosten für nationales Roaming. Während die drei Netzbetreiber gemäß eigener Aussagen preislich durchaus attraktive Angebote vorgelegt hatten, sah United-Internet-Konzernchef Dommermuth die Angebote als zu teuer an. Die Fronten zwischen Telekom, Vodafone, Telefónica und United Internet waren dermaßen verhärtet, dass im Sommer 2020 die BNetzA vermitteln musste – ebenfalls ohne Ergebnis.
Nach Ansicht von Dommermuth ist die Weigerung von Telekom, Vodafone und Telefónica zu seinen Vorstellungen eine National-Roaming-Vereinbarung abzuschließen, eine (indirekte?) Blockadehaltung der etablierten Netzbetreiber, um einen vierten Mitbewerber zu verhindern.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass besagte drei Netzbetreiber argumentieren, die 1&1 Drillisch AG als ausführendes Unternehmen für das 1&1-Netz habe zu wenig konkrete Schritte unternommen für einen Netzausbau, wie unter anderem 4G.de berichtete. Genau diesen Punkt hat der Konzern laut eigenen Aussagen in den vergangenen Monaten in Angriff genommen durch den Glasfaserausbau.
Gibt es einen Plan B ohne eigenes 5G-Netz?
Im schlimmsten Fall hätte sich 1&1 Drillisch entweder einen finanzkräftigen Partner suchen oder die Frequenzlizenzen wieder verkaufen müssen. Diesen Weg schloss Dommermuth zumindest bislang aus: „Wir haben das Frequenzspektrum ersteigert und sind am Verhandeln […], weil wir ein eigenes Netz bauen wollen.“ Einen Plan B ohne eigenes 5G-Netz gebe es schlichtweg nicht.
Es wird schwer für 5G mit dem 1&1-Logo
Da 1&1 Drillisch lediglich über insgesamt 70 MHz Spektrum in den künftigen 5G-Bändern mit 2 GHz und 3,6 GHz besitzt, kommt der Konzern nicht drum herum, auf National Roaming zu setzen. Rein physikalisch wäre ein flächendeckendes Netz mit den ersteigerten Frequenzblöcken wirtschaftlich und Infrastrukturmäßig so gut wie nicht machbar. Umso wichtiger ist die National-Roaming-Vereinbarung, um überhaupt ein Netz unter wirtschaftlichen Aspekten aufbauen zu können.
Mit den genannten 5G-Frequenzen wäre eine stabile Versorgung nur auf kurze Strecken möglich, nicht jedoch über größere Distanzen. Auf lange Sicht wird sich 1&1 Drillisch auch mit der Ersteigerung von Frequenzblöcken bei niedrigen Frequenzbändern beschäftigen müssen, um ein 5G-Netz in der Fläche, zum Beispiel außerhalb von Großstädten, überhaupt vernünftig realisieren zu können.
Die nächsten Schritte für eine kommende Auktion wurden durch die Bundesnetzagentur bereits eingeleitet, hier wird es jedoch frühestens 2026 zu weiteren Entscheidungen kommen. Und Stand 2023 hinkt der Netzausbau den bisherigen Zielen so weit hinterher, dass eine Ersteigerung weiterer Frequenzen unrealistisch erscheint.
Mehr Wettbewerb durch neues 1&1 5G Netz und ernste Hürden
Für Marktbeobachter könnte das Engagement von 1&1 Drillisch für 5G-Frequenzen vor allem für Verbraucher ein Vorteil sein. So wird von Experten erwartet, dass 1&1 Drillisch eine aggressive Preisstrategie anvisiert, was zu einem härteren Konkurrenzkampf und damit schneller sinkende Preise für den Verbraucher bedeuten kann, als wenn nur die bekannten drei Big Player um die Kundschaft buhlen würden.
Zu Beginn werde man jedoch verstärkt LTE ausbauen und nicht komplett auf 5G setzen. Gründe dafür sind zum einen die fehlende Telefonie-Unterstützung der derzeitigen 5G-Netztechnologie, als auch die Tatsache, dass 4G LTE noch über Jahre hinweg den Massenmarkt bedienen werde.
Weitere Informationen zu 5G an sich findest Du in unserem Ratgeber zu dem Thema. Und 5G-Tarife stellen wir Dir natürlich ebenfalls vor!
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Originalartikel vom 16.08.2019 – zuletzt aktualisiert am 02.10.2023.